Crowdsourcing aus Sicht der Archive – ein Überblick

Crowdsourcing – ein Blog der Arbeitsgruppe Zugang und Vermittlung des VSA (Teil 1)

Crowdsourcing wird im Duden definiert als «das Auslagern von bisher in einem Unternehmen selbst erbrachten Leistungen auf eine grosse Anzahl von Menschen über das Internet». Auch für Archive und andere Kulturinstitutionen ist Crowdsourcing attraktiv. «Outsourcing specific activities to a community through an open call», so geben Johan Oomen und Lora Aroyo (2011) eine fachspezifische und etwas freundlicher tönende Definition. Crowdsourcing erlaubt, mit einer Aktion mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen, etwa das Ergänzen von Metadaten und Public Relations (PR).

Crowdsourcing ist kein Selbstzweck. Wer perfekte Metadaten hat, kann getrost darauf verzichten. Wer bestens in seine Community eingebunden ist, wird seine Stakeholder vielleicht anders pflegen. Jedoch werden viele Archive Bestände oder Bestandesteile haben, für deren bessere Erschliessung sie auf das Wissen von Externen zurückgreifen könnten, und neue Benutzergruppen sind sicherlich willkommen.

Bei Crowdsourcing geht es häufig um die inhaltliche Erschliessung. Die IT-Leute bevorzugen den Begriff «User Generated Content» und fokussieren damit auf die Art und Weise des Umgangs mit den Inhalten, die von den Benutzern generiert werden.

Crowdsourcing ist ein Prozess. Egal, ob es sich um ein spezifisches Crowdsourcing-Projekt handelt, oder ob z.B. eine Tagging- oder Kommentarfunktion fix im Archivkatalog verankert ist – Crowdsourcing will geplant und begleitet werden. Eine Crowd, also eine grössere oder kleinere Menschenmenge, muss angesprochen und aktiviert werden, die Resultate ihrer Arbeit wollen gesichtet und honoriert werden. Motivation, Qualitätssicherung, Urheberrecht, Schnittstellen zur Archivdatenbank sind einige Schlagwörter dazu.

Die Arbeitsgruppe «Zugang und Vermittlung» des VSA will über ein Jahr hinweg in einer Reihe von Blog-Beiträgen bekannte und weniger bekannte Crowdsourcing-Aktivitäten vorstellen. Ziel ist es, auf der Basis eines einheitlichen Fragenrasters verschiedene Typen von Crowdsourcing-Aktivitäten vorzustellen. Vollständigkeit ist nicht angestrebt, vielmehr sollen interessante und lehrreiche Initiativen präsentiert werden. Die Beispiele sollen auf Erfolgsfaktoren, aber auch auf Knackpunkte hinweisen. Besonders interessant ist zu erfahren, wie sich Aufwand und Ertrag präsentieren. Es geht nicht darum, Projekte zu bewerten, sondern es geht um Antworten auf die Frage: Kann auch mein Archiv trotz beschränkten Ressourcen ein erfolgreiches Crowdsourcing-Projekt starten?

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