Crowdsourcing – eine kleine Typologie

Crowdsourcing – ein Blog der Arbeitsgruppe Zugang und Vermittlung des VSA (Teil 2)

Einige der bekanntesten Crowdsourcing-Projekte befassen sich mit der Beschreibung von Fotos. Crowdsourcing ist aber weit mehr als das.
Eine kleine Typologie soll helfen, Crowdsourcing-Aktivitäten einzuordnen.

Sinnvoll scheinen vier Perspektiven:

A) Art des Materials:
Fotos, Karten, Texte, audiovisuelle Medien etc.

B) Art des Contents:
Anreicherung von Metadaten, etwa durch Beschreibung der Inhalte von Texten oder Bildern, Beschlagwortung, Tagging, Verlinkung mit Normdaten, Georeferenzierung von Orten oder Karten.
Nutzbarmachung von Primärdaten, etwa durch Transkribieren von Handschriften, Korrektur von automatisch erkannten Volltexten (Texterkennung/OCR, Handschriftenerkennung/HTR)

C) Art der Content-Generierung/der Aktivität:
Klar umgrenztes Crowdsourcing-Projekt; Funktion im Katalog oder in Portalen; Benutzer stellen ad hoc Content zur Verfügung.

D) Art der angesprochenen User und Ziele :
Bisherige (Lesesaal-)Benutzende; bestimmte, klar umgrenzten Gruppen von Freiwilligen wie z.B. Ehemalige, Vereinsmitglieder, WikipedianerInnen…); kleinere oder grössere Zielgruppen; alle Interessierten.

Diese bewusst klein gehaltene Typologie erlaubt es sowohl, bestehende Crowdsourcing-Aktivitäten einzuordnen, als auch sich Gedanken über eigene Aktivitäten zu machen.

Natürlich sind breitere Klassifizierungen möglich. Crowdsourcing von Inhalten durch Archivnutzende kann fast überall im Dokument-Lebenszyklus ansetzen – bei der Bewertung, bei der Erschliessung, bei der Nutzung (Katalogdaten, Digitalisierung…) oder auch in der Bestandespflege, wie Johan Oomen und Lora Aroyo in ihrem grundlegenden Artikel von 2011 erläutern. Crowdsourcing ist durchaus bei analogen Beständen und in einem physischen Kontext denkbar. Besonders einfach umsetzbar, da niederschwellig und skalierbar, ist Crowdsourcing bei online verfügbaren digitalen Daten oder Dokumenten.

Oomen und Aroyo (2011) zählen in einem weiteren Sinn folgende Aufgabenfelder für Crowdsourcing auf:

- Korrektur und Transkription von retrodigitalisierten Texten
- Kontextualisierung (z.B. Geschichten zu einem Objekt erzählen oder Wikipedia-Artikel schreiben)
- (Digitale) Bestände ergänzen durch neue Objekte oder Digitalisate davon
- Klassifikation (d.h. Ergänzen von Metadaten, Social Tagging)
- Ko-Kuratierung von (Web-)Ausstellungen
- Crowdfunding

Gerade bei kleineren Archiven mit wenig fest angestelltem Personal, aber vielen Freiwilligen ist die Grenze zum Crowdsourcing fliessend – etwa wenn Freiwillige Bilder digitalisieren, Objekte reinigen oder Dokumente inventarisieren.

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