Geschichte des VSA

2022 100 Jahre VSA
2017/2018 Überarbeitung Mandate Arbeitsgruppen
2017 5. Schweizer Archivtag in Kooperation mit Wikimedia CH und opendata.ch
2016 Strategische Landkarte VSA mit relevanten Share- und Stakeholdern
2015 Relaunch VSA-Website und Einführung von sozialen Funktionen
12. September 2013 Annahme neuer Statuten in Glarus
2013 Gründung der Arbeitsgruppe Zugang und Vermittlung
3. November 2012 4. Schweizerischer Archivtag
15. September 2011 Annahme neuer Statuten in Neuenburg
2010 Der VSA zählt 711 Mitglieder (522 individuelle, 180 institutionelle, 9 in Ausbildung)
2008 Start VSA-Weiterbildungszyklus
17. November 2007 3. Schweizerischer Archivtag
2007 Start neuer VSA-Grundkurs
2007 Publikation «Archivpraxis in der Schweiz»
2006 Start MAS ALIS Uni Bern/Lausanne
2006 Relaunch ARBIDO (4 Ausgaben/Jahr)
2005 Relaunch VSA-Website
2002 Start Zertifikat Archivwissenschaft Uni Bern/Lausanne
16. November 2002 2. Schweizerischer Archivtag
25. März 2002 Publikation «Gesamtschweizerische Strategie zur dauerhaften Archivierung von Unterlagen aus elektronischen Systemen»
2001 Publikation «Flüchtlingsakten 1930-1950 II»
2000 arCHeco online: Verzeichnis der Wirtschaftsbestände in Archiven der Schweiz und Liechtensteins
1999, 1. März Gründung des Vereins Pro Arbido
1999, 1. Januar Ein ständiges Sekretariat wird eingerichtet
1998, Herbst Beginn der Ausbildungsgänge im Informationswesen (Lehre und Fachhochschule)
1997, 15. November Erster Schweizerischer Archivtag
1997, 11. September 75-jähriges Jubliäum des VSA, in Zug werden neue Statuten verabschiedet
1997 Gründung der AG Geistliche Archive
1995 Der VSA zählt 326 Einzel- und Kollektivmitglieder
1995 ARBIDO (11 Ausgaben jährlich)
1995 Gründung der AG Archivierung elektronischer Akten, heute AG Records Management und digitale Archivierung
1994 Erste Archivdirektorenkonferenz, halbjährlich ab 1995
1994, 1.-3. September Erster gemeinsamer Kongress von BBS, SVD und VSA in Lausanne (BDA 94)
1993 Gründung der AG Archive der privaten Wirtschaft
1992 Gründung der AG Mikroformen, heute AG Digitalisierung von Archivgut
1986-1994 ARBIDO-Bulletin und ARBIDO-Revue, gemeinsame Publikation von VSA, SVD und BBS
1986, 3. April Gründung der AG Stadt- und Gemeindearchive
1985 Der VSA zählt 231 Einzel- und Kollektivmitglieder
1981, 17. September Die Generalversammlung in Neuenburg verabschiedet neue Statuten
1980 Gründung der Koordinationskommission (KoKo), heute AG Bewertung
1979 Publikation von «Archive: Luxus oder Notwendigkeit? Eine Informationsschrift über Stellung und Aufgaben der Archive in der Schweiz»
1976-1977 Erster Einführungskurs
1975 – 1985 Verbandszeitschrift «Mitteilungen der Vereinigung Schweizerischer Archivare»
1975 Gründung des Bildungsausschusses
1974, 26. September Änderung der Statuten vom 13. September 1941
1974 Mit Laurette Wettstein wird zum ersten Mal eine Frau ins VSA-Präsidium gewählt
1968 Die Zahl von 100 Einzel- und Kollektivmitgliedern wird überschritten
1954 Die jährliche Arbeitstagung (später Fachtagung) wird zum ersten Mal durchgeführt
1947 (Mai) – 1974 Publikation von 25 Ausgaben der Verbandszeitschrift «Mitteilungen aus der Vereinigung Schweizerischer Archivare
1941 Der VSA zählt 70 Mitglieder
1933-1972 Publikation der Tätigkeitsberichte und diverser Studien im Anhang der Zeitschrift für schweizerische Geschichte, ab 1951 Schweizerische Zeitschrift für Geschichte
1922, 4. September Gründung des VSA in Lenzburg anlässlich der Versammlung der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesellschaft der Schweiz (AGGS, heute Schweizerische Gesellschaft für Geschichte SGG)

Der Bestand des VSA im Bundesarchiv: ein anekdotisches Durchblättern

Mit dem Ziel, dem VSA zum 100. Geburtstag einen Text zu seiner Geschichte zu schreiben, hat sich die Autorin ins Bundesarchiv begeben und festgestellt: Der Privatbestand des VSA erstreckt sich über 80 Laufmeter. Und so wurde eine fundierte Recherche zur Geschichte des VSA zum Ding der Unmöglichkeit. Da sie diese Aufgabe also nicht selbst bewältigen konnte, an diesem Tag im Archiv aber durchaus spannenden Quellen begegnet ist, schrieb sie diesen Bericht.

Ein paar Fragen als Einstieg

Die bisher bekannte Geschichte des VSA stützt sich auf einige chronologische Eckdaten und Meilensteine des Vereins, publiziert auf Die bisher bekannte Geschichte des VSA stützt sich auf einige chronologische Eckdaten und Meilensteine des Vereins, publiziert auf Wikipedia und in einigen wenigen Artikeln (siehe Liste weiter unten). Als Vorbereitung meines Besuchs im Bundesarchiv habe ich mir folgende Fragen gestellt: Was liegt dazwischen? Welche Geschichten kann man über einen Verein schreiben, der sich seit 1922 Jahren mit Archivierung beschäftigt? Geschichten eines Vereins von und für Archivar:innen, deren Institutionen gerne auch als «Gedächtnis unserer Gesellschaft» bezeichnet werden? Wie prägt die Arbeit der Archive den Blick auf die Gesellschaft und umgekehrt, welchen Einfluss haben gesellschaftliche Entwicklungen auf die Archivarbeit und in einigen wenigen Artikeln (siehe Liste weiter unten). Als Vorbereitung meines Besuchs im Bundesarchiv habe ich mir folgende Fragen gestellt: Was liegt dazwischen? Welche Geschichten kann man über einen Verein schreiben, der sich seit 1922 Jahren mit Archivierung beschäftigt? Geschichten eines Vereins von und für Archivar:innen, deren Institutionen gerne auch als «Gedächtnis unserer Gesellschaft» bezeichnet werden? Wie prägt die Arbeit der Archive den Blick auf die Gesellschaft und umgekehrt, welchen Einfluss haben gesellschaftliche Entwicklungen auf die Archivarbeit?  

Archive als «Schatzkammer des Wissens»

Vorweg: Zur Gründungszeit des VSA existieren kaum Akten. Gefunden habe ich dazu lediglich ein Notizheft, in dem die ersten Sitzungen protokolliert sind. Anhand der Akten im Bundesarchiv nachzuvollziehen, warum es zur Gründung des VSA kam und wie sich der Verein in den ersten Jahren entwickelt hat, scheint schwierig zu sein. Also probierte ich einen anderen Ansatz und suchte mich im online-Katalog des Bundesarchivs stichwortartig durch den  Bestand. Einige Themen gewannen sofort meine Aufmerksamkeit, zum Beispiel: Für die Schweizerische Landesausstellung 1964 in Lausanne hatte der VSA eine kleine, als «Schatzkammer des Wissens» betitelte Ausstellung konzipiert. Die Dokumente geben Hinweise auf Fragen wie etwa: Was war in diesem Pavillon zu sehen? Worüber wurde während der Vorbereitung der Ausstellung debattiert? Wie sollte der Beruf Archivar:in vermittelt werden? Und wie steht dies zum heutigen Verständnis von der Rolle der Archive für die Gesellschaft?

Professionalisierung und Digitalisierung

Die oben genannte Debatte führt mich zu einer ersten Beobachtung: Der Beruf Archivar:in hat sich professionalisiert, spezialisiert und für ein breites Publikum geöffnet. Diese Beobachtung ist nicht neu. Doch was bedeutet dies genau? Welche Fragen sind damit verbunden? In welchem Mass meisterte der VSA die Entwicklung seines Berufs im Spagat zwischen Vergangenheit (die Materie, um die sich Archivar:innen in erster Linie kümmern) und Zukunft (mögliche Herausforderungen, die auf dieselben Archivar:innen warten)? Dies sind Themen, die es im Bestand zu untersuchen gäbe. Die historische Entwicklung des Berufs liesse sich übrigens auch aus einer Genderperspektive lesen: Zu Beginn waren nur Beamte als Mitglieder im VSA zugelassen – ein Berufsstand, der zu jener Zeit ausschliesslich Männer umfasste. Nach der Statutenänderung 1941 – neu waren auch natürliche und juristische Personen, also Nicht-Beamte zugelassen – traten die ersten Frauen dem VSA bei, die erste Präsidentin erhielt der Verein 1974. 

Einige Eckdaten ermöglichen es uns, die Rolle des VSA in der Entwicklung des Berufsbildes zu fassen: Ab den 1950er Jahren lancierte der VSA die erste Arbeitstagung (später Fachtagung genannt), 1975 gründete er den Bildungsausschuss, der unter anderem wiederum den Einführungskurs für Berufseinsteiger:innen lancierte. Die erste Fachtagung 1954 widmete sich dem Thema «Mikrofilm» und bereits 1970 fand eine Tagung zum Thema «Archiv und Computer» statt. Die Übersicht der Fachtagungen des VSA und ihrer Themenliste – sowie die Diskussionen rund um die jeweilige Themenfindung – weisen auf Schwerpunkte, Neuerungen oder Herausforderungen des Berufs Archivar:in hin. Über den Eintritt des Computers und damit der Digitalisierung in den Alltag der Archivar:innen sowie über die damit verbundenen Unsicherheiten oder Zukunftsvisionen, würde der Bestand, so scheint es mir, ebenfalls viel erzählen: Tagungsberichte, Merkblätter, Briefkorrespondenzen oder Publikationen in den jeweiligen Fachzeitschriften des VSA handeln vom Umgang mit digitalen Quellen, den ersten digitalen Standards für die Archive bis hin zu den sich relativ rasch ändernden Anforderungen und Erwartungen der Benutzer:innen.

Global denken

Auch im Sinne einer globalen Perspektive gibt der Bestand einiges her. Gefunden habe ich beispielsweise Dokumente aus den 1950er und 1960er Jahren zum professionellen Umgang mit internationalen Krisen und bewaffneten Konflikten, wie beispielsweise der Ungarn-Krise 1956, und der Rolle der Archive als Hüter der (Schweizer) Kulturgüter. Darüber hinaus enthält der Bestand Akten zum Beitritt und zur Mitgliedschaft des VSA im International Council on Archives (ICA), zu Auslandreisen von VSA-Mitgliedern an Tagungen oder internationale Workshops – zum Teil sogar mit Archivalien aus der Schweiz.

Zum Schluss

Nach diesem kurzen, anekdotischen Durchblättern durch ein paar Jahrzehnte VSA-Geschichte kristallisieren sich drei Bereiche heraus, in denen sich die Auseinandersetzung mit der Arbeit des VSA historisch vertiefen liesse:
  • Öffentlichkeitsarbeit: Wie präsentierte sich der VSA gegen aussen, an Ausstellungen und in Fachzeitschriften?
  • Fachliche Arbeit: Über welche Standards debattierten die Mitglieder des VSA? Wie visionär war der Verein beispielsweise im Bereich Digitalisierung? Welchen thematischen Fokus hatten die früheren Veranstaltungen des VSA und wie kamen diese zustande?
  • Internationale Beziehungen: Wie vernetzte sich der Verein mit internationalen Archiven? Wie vertrat der VSA die Schweiz in Diskussionen rund um den internationalen Kulturgüterschutz?
Dieser Bericht hebt bloss einige punktuelle Beispiele aus den 80 Laufmetern Archivbestand hervor – und doch zeigen diese: Es hat sich gelohnt, den Bestand und damit möglicherweise das Interesse für die Ursprünge des VSA wachzurütteln. Eine umfassende Geschichte des VSA von 1922 bis in die Gegenwart bleibt zu schreiben.

Zur Autorin

Joséphine Métraux ist Historikerin. Sie ist selbstständig tätig, vermittelt, schreibt Geschichte(n) konzipiert, entwickelt Ideen. Gemeinsam mit Luzian Meier (Grafik) und Chris Rohrer (Webmaster) hat sie von 2021 bis 2022 die neue Webseite des VSA konzipiert und die Texte der Einstiegsseiten verfasst. Kontakt: info@metrauxund.ch

Dank

Simone Chiquet, Bundesarchiv 
Urs Hafner, Bundesarchiv

Literaturhinweis

Gössi, Anton: Die Vereinigung Schweizerischer Archivare. Notizen zu ihrer Geschichte 1922–1997. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, 47, 1997/3, S. 245–263. Schweizerische Zeitschrift für Geschichte

Ausgewählte Dossiers im Bundesarchiv

J2.349-01#2013/199#783* Conseil international des archives 1. Kongress Paris, 2. Kongress Den Haag  1948 – 1959 
J2.349-01#2013/199#757*  Internationaler Archivkongress  1960 – 1960 
J2.349-01#2013/199#755*  Korrespondenzen zu internationalen Beziehungen  1958 – 1958 
J2.349-01#2013/199#754*  Internationale Beziehungen  1956 – 1957 
J2.349-01#2013/199#753*  Allgemeines, Internationales  1955 – 1955 
J2.349-01#2013/199#689*  Expo Lausanne 1964 / Jahresversammlung 1964  1964 – 1964 
J2.349-01#2013/199#688*  Expo Lausanne 1964 Varia Fotos, Korrespondenzen, Pläne  1964 – 1964 
J2.349-01#2013/199#690*  Akten 1964 /1965 betreffend Schweizerische Landesausstellung Lausanne 1964  1964 – 1965 
J2.349-01#2013/199#674*  Archivwochen  1969 – 1969 
J2.349-01#2013/199#559*  Kuratorium zur Erforschung schweizergeschichtlicher Quellen in ausländischen Archiven  1987 – 1987 
J2.349-01#2013/199#801*  Beziehungen zu diversen ausländischen Archivaren  1930 – 1959 
J2.349-01#2013/199#800*  Benützungspraxis osteuropäischer Staaten  1980 – 1982 
J2.349-01#2013/199#650*  Korrespondenzen zu diversen Einführungskursen  1982 – 1988 
J2.349-01#2013/199#138*  Sitzungen Protokolle  1974 – 1989 
J2.349-01#2013/199#126*  Protokolle Vorstandssitzung  1955 – 1955 
J2.349-01#2013/199#125*  Vorstandssitzung Engelberg  1954 – 1954 
J2.349-01#2013/199#124*  Protokolle Vorstandssitzung  1949 – 1953 
J2.349-01#2013/199#2*  Statuten der VSA  1940 – 1941 
J2.349-01#2013/199#9*  Rundfrage über wichtigen Zuwachs und grössere Erschliessungsarbeiten der schweizerischen Archive  1935 – 1942 
J2.349-01#2013/199#16*  Anfrage der Generaldirektion des Staatsarchivs Warschau  1961 – 1961 
J2.349-01#2013/199#123*  Protokolle  1922 – 1958 
J2.349-01#2013/199#238*  Jahresberichte  1955 – 1958