Archive und Menschenrechte

Die ICA-Arbeitsgruppe "Menschenrechte" (Groupe de travail Droits Humains, GTDH) wurde unter den schwierigen Bedingungen des ICA-Kongresses 2008 in Kuala Lumpur gegründet. Wegen des Wortes "Menschenrechte" hatte die Arbeitsgruppe in Malaysia Schwierigkeiten, einen Platz im Programm zu finden. Die Arbeitsgruppe arbeitet nun mit einem Exekutivbüro, einem kleinen Budget und bewirtschaftet eine Rubrik auf der Website des ICA. Seit dem letzten Jahr publiziert Trudy Huskamp Peterson, die Präsidentin des GTDH, jeden Monat einen kurzen Bericht in englischer Sprache, in dem sie jeweils einen Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte analysiert und ihn in einen archivischen Zusammenhang stellt. Im zweiten Teil des Artikels stehen Beispiele aus einzelnen Ländern, welche Wirkung die Tätigkeit der Archive auf die Menschenrechte oder die diesbezügliche Gesetzgebung haben kann.

Trudy Huskamp Peterson ist eine Spezialistin auf diesem Gebiet. Sie bereist regelmässig Risikoländer, um staatliche Archivbestände zu bewerten und zu beurteilen. Sie beschäftigt sich auch mit den Archiven der verschiedenen Wahrheitskommissionen, über die sie unter anderem 2005 den Bericht „Final Acts. A Guide to Preserving the Records of Truth Commissions” publiziert hat.

Das interessante Profil der amerikanischen Archivarin und die Qualität ihrer monatlichen Informationen hat Cristina Bianchi, Delegierte des VSA beim ICA/SPA, dazu bewogen, die Berichte auf Französisch zu übersetzen und sie den Mitgliedern des VSA zur Verfügung zu stellen.

Die tägliche Arbeit der Archivarinnen und Archivare scheint manchmal sehr weit vom aktuellen Weltgeschehen entfernt zu sein und nur eine retroaktive Wirkung auf die Geschichte zu haben. Diese Berichte zeigen jedoch, dass der fachgerechte Umgang mit bestimmten Dokumenten durchaus den Lauf der menschlichen und individuellen Geschichte zu verändern vermag.